„Faust“ - ein Theaterbesuch

Katharina Russ aus dem Deutsch-Leistungskurs berichtet

Die Sonne tönt nach alter Weise
herrlich durch alle Gänge.
Dort beginnt unsere Reise
beim täglichen Menschengedränge.
Der Weg führt uns geradeaus
Zum weltbekannten D´Haus.

So oder so ähnlich hätte Goethe damals zu seiner Zeit vielleicht angefangen von einem Theaterstück zu berichten. Alte Kunst neu aufleben zu lassen ist eine Kunst für sich.

Die Schwierigkeit liegt nicht nur darin, dass die heutige Kultur und Sprache deutlich anders ist, sondern auch darin, dass eventuell ähnliche Probleme wie bei der Verfilmung eines Buches auftreten können: Eine Theaterstück könnte für viele Leute als fehlinterpretiert oder als schlecht dargestellt wirken, weshalb es schnell schlechte Kritik hageln kann.

„Faust - Der Tragödie Erster Teil“ im Deutsch-Leistungskurs

Unser Deutsch-Leistungskurs hat sich im zweiten Halbjahr 2019 ausgiebig mit dem Drama „Faust - Der Tragödie Erster Teil“ beschäftigt. Um die darin vorkommenden Szenen möglichst gut zu verstehen, brauchte es oft komplizierte Erklärungen und Tafelbilder. Was ist eigentlich die „Gretchentragödie“? Und warum ist Faust immer unzufrieden? Und wer ist nun der Gewinner der Wette? Manche Fragen bleiben auch nach dem Lesen noch offen. Schließlich gibt es ja einen zweiten Teil.
Als Abschluss dieser Unterrichtsreihe gab es einen Ausflug zum Schauspielhaus in Düsseldorf. Das sogenannte D´Haus (als Abkürzung für das „Düsseldorfer Schauspielhaus“) ist bekannt für die Inszenierung vieler alter Dramen.

Inszenierung als „Faust to go"

An der Darstellung des Stückes „Faust to go", welches sich auf den ersten Teil von Goethes Dramas bezieht, gibt es einiges zu loben, aber auch zu kritisieren.
Zunächst einmal lässt sich sagen, dass die Aufführung chronologisch gut verfolgbar war. Obwohl manche Szenen verkürzt wurden, konnte man die Handlung stets mitverfolgen. Zudem wurde das Stück mit nur fünf Leuten besetzt und trotzdem wirkte es gut dargestellt. 

Die Hauptrolle, „Faust“, wurde von Torben Kessler verkörpert, welcher Schauspiel, Gesang und Tanz an der Folkwang-Universität der Künste in Essen studiert hat. Die Rolle des Mephistopheles wurde von Stefan Gorski übernommen, welcher Schauspiel am Max Reinhardt-Seminar studiert hat. Beide stellten ihre Figuren gut dar, nur dass Faust meiner Meinung nach noch verzweifelter hätte sein müssen an manchen Stellen.

Video-Projektionen

Eine Besonderheit der Inszenierung war die interessante Darstellung: Das Hauptelement an diesem Abend war ein Wagen, der sowohl als Wohnmobil, als auch als ein Geschäft oder sogar als ein Badezimmer genutzt wurde. Die äußere Gestalt wurde oft durch Projektionen mit einem Beamer bestimmt. Die Schwierigkeit hierbei für die Schauspieler bestand darin, darauf zu achten, dass das Timing stimmt. Beispielsweise wenn Marthe, die Freundin von Gretchen, im Video aus dem Laden ging, musste die Schauspielerin, Anya Fischer, genau auf den Zeitpunkt und die Musik achten. Hinsichtlich der Videos, die auf den Wagen projiziert wurden, kann man außerdem loben, dass einige Details, die zuerst zufällig wirkten, später sehr relevant für die Gesamthandlung wurden. Beispielsweise gab es eine Szene, in der ein Mann mit seinem schwarzen Hund spazieren ging. Kurze Zeit später wurde aus dem schwarzen Hund der Pudel, in welchem sich der Teufel, also Mephistopheles, verwandelt hatte. 

Modische Wortwahl

An der Inszenierung kritisieren könnte man den Versuch, das Stück zu modernisieren: Um das Stück aktueller wirken zu lassen, wurden Wörter wie beispielsweise „geil“ oder auch „nice“ verwendet. Auch die Verwendung von „Whatsapp“-Sprache wurde in dem Stück untergebracht. Jedoch kann man diese Modernisierung und die Bezugnahme auf die heutige Zeit auch loben. Schließlich spricht das Stück dadurch eventuell mehr jüngere Leute an.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die zweistündige, mobile Inszenierung anspruchsvoll und unterhaltsam war. Aufgrund der Modernisierung des Stückes muss man über manche Dinge erst ein paarmal nachdenken, bevor man den Zusammenhang versteht. So gesehen geht der Genuss an dem Theaterabend auch nach dem Verlassen des Schauspielhauses weiter. 

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