Unsere ZEUS-Reporter Berichten vom Jazzfestival Moers 2013

Moers Festival

Jazz im Zirkuszelt – zum letzten Mal

23.05.2013 | 17:32 Uhr

„The Dorf“ machten erst die Bühne voll – und dann das Zelt.Foto: Bernd Lauter/WAZ Fotopool

Zehn Zeus-Reporter zeigen das Moers Festival aus ihrer Sicht: Sie schreiben über zwei Konzerte, die Organisation eines Festivals, den Tagesablauf eines Künstlers und über langjährige Festivalbesucher; ein Video haben sie auch gedreht.

 

Ein letztes Mal noch im Zelt und im Schlosspark – nach der 42. Auflage des Moers Festivals müssen die Jazz-Musiker und ihr Publikum im kommenden Jahr umziehen: in eine umgebaute Tennishalle. Das letzte Mal auf der Zelt-Bühne bot noch mal Großartiges, aber auch viel Arbeit. Lest hier, wie die Zeus-Reporter das Festival erlebten.

„The Dorf“ spielen Pott-Jazz

Es ist still, als 27 Musiker und ihr Dirigent die Bühne im Festival-Zelt betreten. Die Ränge sind beinahe leer. Draußen scheint die Sonne. Nicht weit entfernt läuft ruhig ein Bach. Daneben, auf den Campingplätzen krabbeln Festival-Besucher aus ihren Zelten. Ein Mann putzt Zähne, für ihn fängt der Tag erst an – nachmittags, gegen drei Uhr.

„The Dorf“ heißt die Band, die hierhin passt, möchte man meinen: auf die grüne Wiese, in die Idylle. Ihrem Publikum aber lassen sie keine Ruhe: Die Jazz-Großformation fängt den Sound des Ruhrgebiets ein, in all seiner Vielfalt: ländliche Idylle, großstädtische Hektik. Ihr Auftritt ist manchmal leise, immer voller Gefühl und meistens mächtig laut – eine Frau im Publikum hat vorgesorgt und steckt sich Stöpsel in die Ohren.

Auch ihr wird nie langweilig. Denn aus dem ruhigen Nachmittag wird ein aufregender Konzerttag. Das Zelt ist nach kurzer Zeit voll, das Publikum hört gebannt zu und bricht zwischen den Stücken in enthusiastischen Jubel aus.

Zwei Schlagzeuge, vier Saxophone, drei E-Gitarren, zwei Bässe, ein Kontrabass, zwei Keyboards, zwei Trompeten und Posaunen – und vieles mehr. Scheinbar chaotisch, aber geführt von Dirigent Jan Klare wird der Auftritt dieser Masse von Musikern zum intensiven Erlebnis: Er steht vor seinem Orchester in seinem orange-braunen Outfit und steuert seine Musiker mit seinen Armen und Händen durch das ganze Konzert. Nimmt er seine Arme hoch, spielen sie lauter und nimmt er sie runter, spielen sie leiser. Hebt er die Arme ruckartig und plötzlich, hören die Musiker auf oder fangen an. In Klares Hände laufen die musikalischen Fäden der Großformation zusammen: Die Musiker reagieren auf ihn, die Zuhörer reagieren auf die Musiker – wenn Klare die Musik leiser werden lässt, jubelt das Publikum.

Stephanie Draub, St. Hildegardis Gymnasium, Duisburg; Sarah Fronhoffs und Jana Schwarz, UNESCO-Gesamtschule, Kamp-Lintfort

Reiner Jazz aus Schweden

„My school german is really bad, my school english, too, so I don’t talk so much today!“, sagt Niklas Barnö, Trompeter der schwedischen Band „Je suis“.
Das nimmt ihm aber an diesem Nachmittag keiner übel, denn bei den Jazzern zählt nun nur die Musik. Dabei wird auf aufwendige Lichteffekte und sonstige Showelemente verzichtet. Den Zuhörern wird reine Musik präsentiert. „Smooth and dynamic“, so beschreibt ein begeisterter Zuschauer das Konzert später in wesentlich besserem Englisch – er ist aus Washington D.C. angereist.

Die Musik der sechs Schweden lässt sich schwer in Worte übersetzen. Bei ihrem ersten Auftritt außerhalb Nordeuropas fallen die Musiker durch das Spielen in eine Art Trance – und das Publikum gleich mit. „Je suis“ , das sind drei außergewöhnliche Solisten an Saxophon, Trompete und Posaune im Vordergrund, die von Piano, Bass und Schlagzeug eingerahmt werden. Dabei rückt Pianist Alexander Zethson auch immer wieder in den Fokus des entspannten Publikums. „’Je suis’ hat einen sehr eigenen Stil, sehr wohltuend“, sagt ein Zuhörer nach einer Stunde reinem Jazz aus Schweden. Am liebsten würde er gar nicht aufhören und jede Minute auf dieser Bühne nutzen, sagt Frontmann Barnö vor dem letzten Stück, denn das „ist vielleicht das schönste Konzert, dass ich je gespielt habe.“ Man mag es ihm glauben.

Patrick Binzenhöfer, Justus-von-Liebig-Schule, Moers; Fabian Grieger, Neues Gymnasium, Bochum

Vier Tage Stress

Melanie Rossmann stürmt in das Organisationszelt und blickt hektisch umher – das sieht nach Stress aus. Sie ist die Hauptorganisatorin des Festivals und hat für Fragen über die Organisation keine Zeit, denn auch noch am zweiten Tag der Festivalreihe gibt es für alle Organisatoren alle Hand zu tun.„Alle Mitarbeiter, die in diesen Tagen hier tätig sind, kann man gar nicht zählen“, erzählt Dana Steffens, die für die vier Festival-Tage am Servicepoint sitzt. „Die Vorbereitung beginnt schon ein halbes Jahr vorher, denn es muss sich um Sachen wie Marketing, Werbung, die Bestellung der Zelte und Zäune und auch um die Campingplätze für die Dauerbesucher gekümmert werden.“
Natürlich steht an oberster Stelle die Suche nach Bands und Künstlern. Dafür ist der Künstlerische Leiter Reiner Michalke verantwortlich. Er schaut sich auf verschiedenen Festivals nach Musikern um und lädt diese zum Moers Festival ein. An den Pfingsttagen spielen dann Künstler aus aller Welt im großen Zelt vor den täglich erwarteten 2500 Besuchern.

Finanziert wird das Festival, durch zahlreiche Sponsoren und die Stadt Moers.

Katharina Draub, St. Hildegardis, Gymnasium, Duis burg; Deborah Scheuch, Gymna sium Voerde

Noch immer Lampenfieber

Im Gegensatz zu Melanie Rossmann ist Jan Klare völlig entspannt – zumindest nach seinem Auftritt. Samstagvormittag kam er mit seiner Band „The Dorf“ aus dem Großraum Münster mit Fahrgemeinschaften nach Moers.
Schon Stunden vor dem Auftritt hatte die 28-köpfige Gruppe ihren Soundcheck – und für Klare und seine Kollegen wurde es stressig. Obwohl sie zum dritten Mal auf dem Festival auftraten, ist Klare vorher noch nervös, „aber nicht erst seit heute“ – sondern lange im Voraus. Klare bekam schon bei der Planung das eine oder andere Mal Lampenfieber. Vor Publikum versucht er dann, „ganz entspannt in der Musik zu sein.“ Es sei wichtig „mental einzutauchen.“ Nach dem Konzert zieht sich Jan Klare zurück. „Da bin ich in der Rübe total matsche“, sagt er. Aber nicht jeder braucht Zeit für sich: „Manche fangen an, die ganze Zeit Witze zu erzählen.“ Viele Musiker schauen sich noch Gigs anderer Bands an, bevor sie den Heimweg antreten.

Vithussa Lambeshwaran, Jessica Wichmann, UNESCO-Schule, Essen; Daniel Klump, Georg-Forster-Gymnasium, Kamp-Lintfort

Früher im Zelt, heute im Hotel

Friederike Happich und Marlis Weißenberger kommen seit beinahe drei Jahrzehnten auf das Moers Festival. Die Zeus-Reporterinnen Katharina Draub und Deborah Scheuch sprachen mit ihnen.

Es scheint, als fühlen Sie sich wohl auf dem Moers Festival.

Happich: Wir sind bereits seit Freitag hier, da wir große Fans von John Zorn sind. Seit 1986 besuchen wir regelmäßig das Festival. Früher haben wir immer mit Freunden hier gecampt, aber Zeiten ändern sich und jetzt übernachten wir im Hotel.

Was macht das Festival besonders?

Happich: Die Musik hier ist sehr interessant und spannend. Die Mischung aus den Musikstilen ist einfach toll, die Atmosphäre sehr offen.

Weißenberger: Dem kann ich mich nur anschließen. Zwar ist das Publikum jünger geworden, aber trotzdem treten immer noch Künstler auf, die man von früher kennt.

Sie fühlen sich als rundum wohl?

Weißenberger: Ja. Aber: Ich finde es nicht gut, dass die Essensstände um Mitternacht zumachen. Bis ein Uhr sollten sie mindestens offen sein, damit man sich, wenn man nachts aus dem Zelt kommt, noch etwas zu Essen kaufen kann.

Stephanie Draub, St. Hildegardis Gymnasium, Duisburg; Sarah Fronhoffs und Jana Schwarz, UNESCO-Gesamtschule, Kamp-Lintfort

Video: Zeus-Reporter treffen Michael Schiefel, den Improviser in Residence des Moers Festivals

Mit den Kollegen vom „nimm! – Netzwerk improvisierte Musik Moers“ haben die Zeus-Reporter für den Blog „Tomorrow is the question“ auch ein Video über den Improviser in Residence des Moers Festivales, Michael Schiefel produziert.

Quelle: http://www.derwesten.de/zeusmedienwelten/zeus/best-of/jazz-im-zirkuszelt-zum-letzten-mal-id7985300.html